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Über Selbstliebe und den Umgang mit Stress

Nun, drei Monate ist es schon her, seit ich mich hier zuletzt habe blicken lassen. Schande auf mein Haupt, ich hatte mir vorgenommen, häufiger einen Beitrag zu posten – nun, jetzt ist es nicht mehr zu ändern.

Was ist passiert? Wurde ich entführt? War ich krank? Wo war ich?

Genau genommen hatte ich schlicht keinerlei Muße zu gar nichts. Ich habe am 3. Januar meinen Geburtstag gefeiert und kurz darauf kam eine Antriebslosigkeit, die ich selten hatte. Vermutlich ausgelöst davon, dass mir schlicht alles auf die Nerven geht.

Erst Corona, dann familiäre Probleme und schließlich Probleme bei Freunden, die mich nach unten gezogen haben. Und dann, als ich glaubte, jetzt endlich wieder den Antrieb zu finden, kam der Krieg.

Schwupps, war die ganze Muße wieder weg und ich wieder gefangen in meinem "Ist mir doch alles scheißegal"-Trip.

 

Herausgeholfen hat mir eine gute Freundin, die ich noch gar nicht lange kenn. Sie ist eine Mitautorin, schreibt mehr als ich und dazu in einem völlig anderen Genre. Sie versteht vom "Handwerk Schreiben" echt eine Menge und irgendwie ist es dazu gekommen, dass wir seit Dezember regelmäßig schreiben. Wir tauschen uns über unsere Werke aus, schicken uns fehlerhafte Sätze und helfen dem anderen, Ordnung ins Chaos zu bringen.

Die Fähigkeit, weiterzumachen

Auf jedenfall hat diese Freundin das Talent, einfach draufloszureden. Egal, wie es mir geht. Das ist tatsächlich nicht nervig, wie viele von euch vielleicht denken mögen. Nein, es hilft mir unheimlich – weil es mitreißt. Und so erzählte sie mir von dem Verlag einer ihrer Freunde, der ab jetzt Manuskripte annimmt. Ein kleiner Miniverlag, den kaum einer kennt, aber mit einer unheimlich sympathischen Lektorin und einer extrem ansprechenden Internetpräsenz. Ich spreche hierbei vom Dark Empire Verlag.

 

Fakt ist, dieser Verlag ist wie für mich gemacht. Ganz viel Fantasy, wundervolle Cover und unheimlich menschlich. Wozu hat ihre Aussage also geführt? Richtig: Muße. Ich habe mich sofort auf mein Manuskript "Emblem des Dämons" gestürzt und meine Leseprobe überarbeitet. Dann folgte wieder eine kurze Flaute und dann, jetzt endlich, ein Hochgefühl. Ich überarbeite derzeit den Rest des Werkes auf Hochtouren und habe auch noch Spaß dabei – obwohl ich Überarbeitungen echt hasse wie die Pest.

 

Habe ich irgendwelche Vorhaben von meinen Neujahrsvorsätzen eingehalten? - Nö. Interessiert es mich? – Nö, das Kind ist schon in den Brunnen gefallen. Ich schreibe, weil ich das Schreiben liebe. Und weil ich (noch) keinen Verlag habe, habe ich auch keine Deadlines – ergo gibt es nichts, was mich davon abhält, meine Pläne nicht im April umzusetzen.

 

Von daher: Who cares?

Wann kümmert man sich eigentlich mal um sich selbst?

Das ist etwas, was mir in der antriebslosen Zeit wieder vermehrt durch den Kopf gegeistert ist.

 

Ich muss gestehen, ich bin ein Mensch, der viel beobachtet und sich selbst nicht unbedingt immer völlig in die Gesellschaft einbringt. Lieber stehe ich am Rand und schaue zu, als mich mitten im Geschehen zu befinden. Letzteres kann ich zwar, mache ich aber eher ungern und nur, wenn es notwendig ist.

 

Was mir immer häufiger auffällt, ist dieser enorme Zeitdruck, den sich ein jeder selbst macht. Man plant den Tag und stresst sich, wenn alles nicht so funktioniert, wie man es erwartet hat. Man stopft sich die gesamte Zeit voll, fällt abends tot ins Bett und tut Selbiges jeden einzelnen Tag nochmal.

 

In der Corona-Zeit beobachtete ich, dass das alles ein wenig zurückging. Die Leute begannen, sich Hobbys zu suchen, probierten neue Dinge aus und lernten, mal einen Gang zurückzuschalten. Sobald die Maßnahmen gelockert wurden, sah ich bei den meisten Menschen in meinem Umfeld davon nicht mehr viel.

 

Dabei ist eines doch unheimlich wichtig: Vergesst euch doch selbst nicht bei euren ganzen Tagesplanungen!

 

Die meisten machen und tun, was ihnen der Tag abverlangt – und wenn man dann mal Freizeit hat, stopft man sich diese mit dem Haushalt oder sonstigen Erledigungen zu. Wirklich Zeit nimmt man sich nicht für den eigenen Körper. Der Körper muss funktionieren, jeden Tag durchhalten und der Geist hat gefälligst mitzuziehen – aber stimmt das?

 

Nein.

Es ist Zeit, Körper und Geist auch mal eine Pause zu gönnen

Ehrlich, ich finde es extrem wichtig, sich mal Zeit für sich zu gönnen. Zeit ohne das Handy, ohne "To-Do-Listen" (Haushalt etc) und ja, ohne Freunde. Einfach mal Zeit, sich so zu lieben, wie man ist. Denn ihr alle seid liebenswert, auch, wenn euch das teilweise nicht so vorkommen mag. Nehmt ein entspannendes Bad, meditiert ein wenig, geht einem ruhigen Hobby nach oder hört einfach nur Musik. Beschäftigt euch mit euch, eurem Geist und eurem Körper. Schätzt, was sie jeden einzelnen Tag leisten – was ihr jeden einzelnen Tag leistet.

 

Ich weiß, dieser Beitrag hat nichts mit dem Schreiben zu tun – nicht wirklich zumindest, außer vielleicht der Anfang. Aber er handelt von etwas, was für das Schreiben, für die Tätigkeit als Autor, essentiell ist: von euch.

 

In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist.

 

Obwohl dieses Zitat ursprünglich vermutlich ironisch gemeint war, hat dieses Zitat heute mehr Aussagekraft als je zuvor. Zum Zitat: Es stammt vom römischen Satiriker Juvenal und das vollständige Zitat bedeutet: Man soll darum beten, dass sich ein gesunder Geist mit einem gesunden Körper verbinden möge. Wenn dein Geist erschöpft ist, wirkt es sich auf deinen Körper aus. Ist dein Körper erschöpft, zieht es deinen Geist runter – ein Kreislauf, der sich spiralförmig in die Tiefe zieht und einen jeden mitreißt, der in diesen Strudel gerät.

 

Und wisst ihr was? Antriebslos, mit gestresstem Geist und schmerzenden Gliedern, weil man sich die Nächte um die Ohren haut, lässt es sich nicht gut schreiben. Vermutlich krähen jetzt die Ersten: "Aber ich kann auch schreiben, wenn ich mich nicht gut fühle!" Meine Antwort: Schön für euch. Wirklich, Respekt an die, die es können – aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es Spaß macht. Dass ihr wirklich fit seid, euch das Autorenleben Freude bereitet oder ihr lächelnd vor euren Manuskripten sitzt und eure Tätigkeit feiert. Ich glaube, mit Zwang erreicht man nicht viel. Ich glaube, man erreicht mehr, wenn man mit Freude, Liebe und Hingabe vor seinen Manuskripten sitzt und seine Bunnys nieder tippt. Wenn man seine Romane liebt und auch bei Absagen nicht den Kopf in den Sand steckt.

 

Genau deswegen habe ich mir eine Auszeit genommen. Ich habe (noch) keine Deadlines, ich muss noch nicht schreiben. Wenn es mir nicht gut geht, dann kann ich mich zurücklehnen, die Tage an mir vorbeiziehen lassen und gemütlich meinen Bunnys nachgehen. Die hoppeln nämlich weiter, vermehren sich und lassen jegliche Lethargie in niedlich-süßen Kopfkinos untergehen. Und dann, manchmal, packt mich doch die Muße und ich schreibe ein paar Zeilen. Und wenn ich wieder Muße bekomme, schmeiße ich mich an den PC, schreibe noch viel mehr Zeilen, lasse die Bunnys springen und meine Seele das ausspucken, was sie beschäftigt.

 

Wichtig dafür ist es, sich selbst zu lieben. Seine Stärken und Schwächen. Seine Makel und auch das, was einem besonders gut gefällt. Also, liebe Leute: Stresst euch nicht so massiv, liebt euch mehr. Achtet auf euch, feiert eure Arbeit, euren Körper und euch selbst!

 

Wenn ihr dann Muße habt, geht alles viel leichter – das ist meine Erfahrung!

 

So. Das war es für heute. Ich fand es wichtig, euch mal daran teilhaben zu lassen. Meine Muße ist auf jedenfall wieder da, meine Bunnys hoppeln wieder. "Emblem des Dämons" schreit nach seiner Überarbeitung und weitere Romane nach der Planung. Artbreeder bettelt mich an, neue Charaktere zu erstellen, Incarnate will neue Karten erschaffen. Papyrus neue Dokumente sehen und "Das Licht der Toten" eine erste Überarbeitung und seinen Alphaleser.

Verteilt Liebe - gerade Jetzt, gerade Heute

Auch ihr werdet nicht zu kurz kommen. Mir sind in der letzten Zeit einige Themen eingefallen, über die ich mit euch sprechen möchte. Themen, die mir auf der Seele brennen.

 

Das hier ist kein reiner Autorenblog. Es ist ein Blog über das Leben als Autor. Über Höhen und Tiefen. Über den Job als Autor, aber auch über Gedanken, Sorgen und Ängste und Alltägliches. Weil es zum Leben dazugehört. Weil es euch zu dem macht, der ihr seid – und weil ich die bin, die ich bin. Die Person, die ich hier auch zeigen möchte. Ich habe Stärken und Schwächen und ich finde, das sollte man zeigen dürfen.

 

Ich wünsche euch zum Abschluss eine wundervolle Woche. Ich wünsche euch alles erdenklich Gute auf der Welt und … ich möchte euch noch mit auf den Weg geben, dass es gerade jetzt wichtig ist, Liebe zu verteilen. Dort draußen in der Welt befindet sich so viel Hass, so viel Furcht und Abscheu darüber, was passiert. Lasst bitte nicht zu, dass euch diese Gefühle verzehren. Und lasst es nicht an den Falschen aus, bitte.

 

Diese Zeit ist schlimm genug. Wir müssen sie nicht noch schrecklicher machen.

 

Eure

 

Nathalie

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