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Selbstkritik und Perfektionismus

Dieses Thema bin ich eigentlich lange umgangen. Warum? Nun, es ist das Eine, etwas von seinem Wissen preiszugeben, seine Ideen zu teilen oder über persönliche Erfahrungen zu sprechen. Etwas Anderes ist es, über seine Schwächen zu sprechen – und trotzdem ist es furchtbar wichtig, genau das zu tun!

 

Die Instagram-/ und Internetwelt ist allgemein voll von den perfekten Darstellungen einer jeden Person. Schaut man sich hier so um, ist jeder völlig perfekt, verspürt keine Ängste und hatte auch nie schlechte Erfahrungen.

 

Auch, wenn man über solche Themen natürlich ungern spricht, wollte ich jemand sein, der über so etwas berichtet.

Über ein Problem, was jeder hat

Selbstkritik und Perfektionismus ist wohl eines der größten Probleme, welches Autoren ... nein, welches jeder Mensch hat. Angetrieben von scheinbar perfekten Vorbildern aus Internet und Medien strebt man zu höheren, perfekteren, Zielen im Leben. Erstmal ist das ja nichts schlechtes, immerhin entwickelt man sich nur durch Ziele und Träume im Leben weiter – aber spätestens dann, wenn man anfängt, in ein emotionales Loch zu rutschen, weil man die Ziele nicht erreicht, wird es ungesund.

 

Natürlich soll man sich Ziele stecken – aber man darf sich hierbei nicht mit anderen vergleichen. Die meisten Menschen – und auch mir passiert das teilweise - sagen sich nicht, dass sie in irgendwas besser werden wollen. Nein, sie suchen sich ein Vorbild (zum Beispiel einen tollen Autor) und wollen dann am liebsten genau so werden.

 

Und das ist falsch.

 

Warum sollte man werden wie jemand anderes? Ist es nicht die eigene Einzigartigkeit, die einen selbst und sein Tun besonders macht?

Die Folgen einer "perfekten" Gesellschaft

Man strebt nach der Perfektion eines anderen, ohne festzustellen, dass man selbst alle Voraussetzungen erfüllt, um selbst perfekt zu sein. Auch die Menschen, die man so in den Medien – Instagram, Facebook, TikTok etc. pp. - sieht, sind ganz normale Menschen. Glaubt mir, auch sie haben Zweifel, vergleichen sich, fürchten, nicht gut genug zu sein. Einige von ihnen haben Depressionen, andere Essstörungen oder sind einfach unzufrieden mit ihrem Aussehen. Einige denken, dass sie ihr Hobby, über welches sie berichten, gar nicht gut genug ausführen. Sänger befürchten, nicht gut genug zu singen, vergleichen sich mit großen Stars und wollen genau so werden.

Und selbst die großen Stars haben derartige Probleme. Hört doch mal hin, wenn wieder Berichte auftauchen über Promis, welche an Depressionen leiden. Welche dem Druck nach Perfektion nicht standhalten.

 

Ist es das, was das Lebensziel sein sollte?

 

Perfekt zu sein und daran zu zerbrechen, wenn man es nicht kann?

 

Ich denke nicht.

Wie Zweifel anspornen können

Selbstzweifel sind völlig normal. Sie spornen uns an, zu üben. Ein Sänger strengt sich an, noch besser zu singen. Ein Zeichner beginnt zum Beispiel, die Anatomie zu studieren, um seine Fertigkeiten zu verbessern (ich zeichne selbst, ich kenne das Problem.). Ein Instagrammer liest sich durch, wie man mehr Follower und größere Reichweite bekommt, versucht sein Profil möglichst ansprechend zu gestalten.

 

Und ein Autor? Nun. In den Weiten des Internets gibt es viele viele Seiten, die einem Schriftsteller tolle Schreibtipps mit auf den Weg geben. Es gibt Schreibratgeber, die erklären, wie man möglichst ansprechend schreibt, ohne dabei seinen eigenen Stil zu verlieren. Das ist übrigens, finde ich, als Autor – und allgemein als Mensch – unheimlich wichtig:

 

Bewahrt euch eure Einzigartigkeit.

 

Keiner mag Einheitsbrei, liebe Leute. Stellt euch mal vor, wie langweilig diese Welt wäre, wenn alles gleich wäre. Ihr müsst nicht genauso schreiben wie euer Lieblingsautor. Ihr dürft – und sollt – euch inspirieren lassen … aber bitte versucht nicht, den Stil eines Menschen zu kopieren. Sei es beim Schreiben, beim Aussehen, singen oder Zeichnen. Kopien sind nie toll. Vielleicht sehen sie toll aus, lesen sich klasse oder kommen gut an – aber das seid dann nicht ihr. Und wer möchte sich schon sein Leben lang verstellen?

 

Seine Einzigartigkeit zugunsten der Perfektion aufzugeben führt einzig und allein zu Depressionen oder anderen psychischen Problemen.

 

Das ist es nicht wert.

Wie gehe ich mit Selbstzweifeln um?

Wie ich bereits sagte, kenne ich das Gefühl. Ich habe meinen eigenen Schreibstil inzwischen zwar lieben gelernt, aber wenn ich meine Bücher überarbeite oder zusammen mit meinem Alphaleser durchgehe, erschaudere ich doch recht häufig. Ein Satz, der nicht gut klingt, den ich "besser könnte" – ich weiß sogar, dass ich es könnte und dennoch zieht mich der Gedanke immer ein kleines Stückchen herunter. "Besser können" – warum habe ich es nicht gleich vernünftig gemacht?

 

Dann denke ich an meine Lieblingsautorin – Jeaniene Frost – und überlege, ob es ihr vielleicht auch ähnlich geht. Ich denke an ihre tollen Bücher, als den flüssigen, witzigen und spannenden Schreibstil und glaube kurz, dass diese Werke einfach schon perfekt entstanden sind.

 

Das ist der Moment, an dem ich innehalte.

 

Bullshit, sage ich. Ein Werk schreibt sich nicht über Nacht. Ein Werk ist nicht von Anfang an toll. Auch Frost wird viele Stunden haareraufend über ihrem "Blutrote Küsse" gehangen und mit sich gehadert haben. Auch ihr Manuskript wird vor Fehlern gestrotzt haben.

 

Wie das von jedem Autor. Weil Fehler normal sind.

 

Keiner schreibt sofort perfekt. Ich habe schon die wundervollsten Stilblüten in meinen Manuskripten gefunden und teilweise muss ich einfach nur darüber lachen. Teils habe ich Plotholes eingebaut, welche bei genauerem Nachdenken einfach nur witzige Kopfkinos erzeugt haben und es bei Filmen wohl in die Outtakes geschafft hätten. Und jeder von uns wird diese kleinen Charaktere kennen, welche wir wie nichts auf der Welt lieben, die aber keinen Zweck in der Geschichte erfüllen und die dem "Kill your Darlings" zum Opfer fallen.

 

Was tun?

Was kann man also tun, wenn der innere Monk wieder schreit, wenn man denkt, man sei nicht gut genug? Generell? Sich immer wieder daran erinnern, dass es auch allen anderen Menschen so geht. Wir - Du und Ich – sind nicht die Einzigen, die derart fühlen. Unseren Vorbildern ergeht es ähnlich. Es ist normal, nicht perfekt zu sein.

 

 

Es ist schön, nicht perfekt zu sein.

Zum Abschluss

Ich hoffe, ich kann vielleicht dem einen oder anderen Mut machen, seine Fehler ein wenig zu akzeptieren. Seine Kanten hinzunehmen und sich über lustige Stilblüten zu amüsieren, Kritik ernst zu nehmen aber nicht daran zu verzweifeln.

 

Ich wünsche euch einen wundervollen Tag und eine tolle Adventszeit!

 

Eure

Nathalie

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