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Worldbuilding

Was ist das überhaupt?

Heute geht es um ein Thema, welches mir persönlich wirklich am Herzen liegt – obwohl ich es gleichzeitig hasse wie die Pest.

 

Kurzum geht es darum, wie ihr eine Welt baut. Das ist, sofern ihr nicht 1:1 in der Realität bleibt, fast immer ein Thema. Solltet ihr allerdings z.B. New Age in unserer Welt, in einem komplett real existierenden Hamburg oder so schreiben, wird dieser Beitrag für euch nichts sein. Hier geht es nur um Romane, die zumindest im Ansatz irgendetwas besitzen, was “nicht real” ist.

 

Auch im Bereich der Urban Fantasy gibt es zum Beispiel immer Abwandlungen zur Realität, diese zählen bereits dazu - und wenn nur ein paar glitzernde Vampire durch die Gegend rennen, zählt auch das zum Worldbuilding.

Worldbuilding – Was muss ich tun?

 

Ihr müsst euch zuerst darüber Gedanken machen, wie eure Welt auszusehen hat. Wie nah ist sie an der Unseren? Und wenn sie abweicht, inwiefern? Gibt es eigene Biome? Gibt es vielleicht sogar ein anderes Sonnensystem?

Sieht man nachts Sterne oder ist der Himmel schwarz? Ist der Himmel überhaupt schwarz oder blau oder hat er eine andere Farbe?

 

Wie sehen die Häuser aus, die es dort gibt? Woraus sind sie gebaut?

Was ist mit der Flora und Fauna? Wie schauen die Pflanzen aus? Sind sie auch grün oder spielt es in einer komplett anderen Dimension, wo sie vielleicht ... lila sind?

 

Sofern euer Roman irgendwo spielen soll und eure Protagonisten sich nicht in einen für den Leser schwarzen Raum bewegen, müsst ihr euch darüber Gedanken machen. Außer natürlich, der Leser soll sich alles selbst denken – das ist wiederum überhaupt nicht mein Stil. Ich mag es, wenn man den Leser durch seine Fantasie begleitet und ihm zeigt, was man sich bei der Erschaffung seines Werkes gedacht hat. Ich mag es, wenn man den Leser an verschiedene Handlungsorte entführt, ihn mitreißt und ihm zeigt, was man selbst gesehen hat.

 

Noch eine wichtige Frage ist: Was lebt überhaupt in eurer Welt? Menschen? Tiere? Monster? Wie sehen sie aus?

Sind sie humanoide Monster oder eher tierisch? Was für Fähigkeiten haben sie? Was können sie nicht?

 

Wie ihr seht, ein riesiger Berg an Fragen, dem man sich stellen muss.

 

Warum Worldbuilding?

 

Ich muss zugeben, ich hasse Worldbuilding. Wirklich. Ich schreibe extrem gerne, ich entführe den Leser unheimlich gerne in neue, aufregende Welten – aber ich hasse es, diese zu erstellen. In meinem Kopf lebt diese Welt. Ich brauche mir keine Gedanken über die Gesetze zu machen, die in meiner Fantasie bereits existieren ... oder?

Doch, muss ich. Warum?

 

Was du nicht schreibst, existiert für den Leser nicht.

 

Klingt simpel, ist es auch, wird aber gerne vergessen. Nur, weil für dich die Gesetze der Physik, die Magie, die Orte, das Klima und alles Weitere glasklar ist, gilt das nicht für deine Leser. Du musst dem Leser also deutlich machen, wie deine Welt funktioniert.

 

Und das bedeutet Arbeit.

 

Gesetze in eurer Welt

 

Wisst ihr, worüber ihr euch noch Gedanken machen müsst, nachdem ihr das ganze Physische durchdacht habt? Richtig – über das, was nicht greifbar ist: Gesetze, gesellschaftliche Normen ... sowas halt.

 

Gibt es “Menschenrechte” (oder irgendetwas in der Art)? Was ist in eurer Welt verboten? Wie sehen die Strafen aus?

Gibt es Gleichberechtigung oder werden bestimmte Gruppen anders behandelt?

 

Diversität

 

Diversität ist wichtig, wenn nicht sogar unabdingbar für eure Romane.

Lasst Unterschiede zu! Unterschiedliche Sexualitäten, unterschiedliche Kulturen, Religionen, Hautfarben, Geschlechter, Spracheigenschaften ... alles. Es ist wirklich ein wichtiges und großes Thema – und:

 

Diversität macht eure Geschichte bunt!

 

Und bunt ist wichtig, weil bunt auch zu Konflikten führen kann – und Konflikte sind für Romane unabdingbar. Ohne Konflikte gibt es keine Geschichte, vollkommen gleich, ob der Konflikt um etwas Großes (Ausgrenzung einer Bevölkerungsgruppe) oder etwas Kleines (der Streit um die Zahnpasta auf dem Waschbecken) geht.

 

Konflikte sind toll, denn sie schaffen Leben!

 

Die Historie

 

Hintergründe und Geschichten sind wichtig. Wirklich. Wie sonst sollen eure Leser verstehen, warum eure Welt ist, wie sie ist?

 

Diesen November (NaNo 21) schreibe ich “Das Licht der Toten” (grausamer Arbeitstitel, ich weiß.). Es geht um ein menschliches Mädchen, Evelyn, welches bei Untoten aufwächst und möchte, dass ihr Volk genau dieselben Rechte bekommt, wie sie die Menschen haben. Die Kirche und das Königshaus verachtet ihr Volk, sieht sie als “widerliche Rasse” an.

 

Wenn ich der Leser wäre, würde ich mich sofort fragen: “Wieso?”

Und diese Frage muss man beantworten. Und das funktioniert nicht, indem ich sage: “Weil die Kirche schon immer so war – siehe Hexenverbrennung.”

Ich muss es erklären. Wie kam es dazu? Warum?

 

Und das müsst ihr ebenso tun. Denkt euch eine Geschichte, eine Historie aus – auch wenn vieles davon nicht wörtlich in eurem Roman auftauchen wird, beeinflusst es das Geschriebene enorm.

 

Die Magie

 

Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, der besonders für die Fantasyschreiber relevant ist. Ich versuche, mich hier etwas kürzer zu fassen, weil dieses Thema ... riesig ist.

 

Zuerst: Ihr braucht nicht unbedingt Magie, aber wenn ihr welche einfügt, macht euch Gedanken über das System dahinter.

 

Macht euch Gedanken darüber, wie eure Magie funktioniert. Welche Grenzen gibt es? Wer kann sie benutzen? Kostet sie irgendetwas (Energie, Lebenskraft oder so?). Nichts ist meiner Meinung nach schlimmer, als Bücher, in welchen Plotholes dadurch entstehen, dass Magie eigentlich die Lösung für alles ist. In welchen der große, zentrale Konflikt mit einem simplen Fingerschnippen hätte gelöst werden können.

Und ich mag auch keine Bücher, in denen Magie einfach ... alles kann.

 

Dann: Gibt es Gesetze für die Nutzung von Magie? Können dadurch neue Konflikte entstehen? Gibt es Ausgrenzung dadurch? Weiß jeder, dass es Magie gibt?

 

Hier wären wir wieder bei den nicht greifbaren, aber elementar wichtigen Sachen des Worldbuildings.

 

Ich denke hierbei gerne an Harry Potter. J.K.Rowling hat ihr Magiesystem dazu benutzt, Konflikte zu schaffen. So gibt es Muggelstämmige, Halbblüter und Reinblüter – achja, und Squibs. Dadurch erschuf Rowling ein wunderbares System, welches Potenzial für Konflikte bot, für Menschen, die sich aufgrund ihrer Abstammung für etwas Besseres hielten – mehr noch: Sie erschuf so ihren Antagonisten, Voldemort.

Das wars somit auch für die Kurzfassung vom Worlbuilding-Magieplanungs-Schnellkurs.

 

Passt vor Infodumb auf

 

Ganz, ganz wichtig: Plant eure Welt, eure Magie ... aber quetscht nicht alle Erklärungen zu eurem Roman in das erste Kapitel. Das ist ein Fehler, den sehe ich leider verdammt oft. Infodumb des Todes. Seitenlange, staubtrockene Erklärungen. Versucht, sie mehr unterschwellig und spannend einfließen zu lassen – sicher, manche Dinge müssen erklärt werden ... aber nicht alles in einem riesigen, undurchsichtigen Textblock.

 

Vielleicht sind viele Erklärungen erst später notwendig? Vielleicht kann euer Protagonist diese im Laufe der Geschichte selbst herausfinden? Macht euch Gedanken darüber!

 

Macht euch nicht verrückt

 

Ein wichtiger Ratschlag, bevor dieser Beitrag hier endet: Macht euch nicht verrückt. Ihr müsst keine 13.092 Sprachen entwickeln, kein eigenes Lexikon über Flora und Fauna, Geschichte und Wesen – plant, was relevant ist, aber plant es gründlich.

 

Ich hoffe, ich konnte denjenigen das Thema etwas näher bringen, die sich bei dem Wort “Worldbuilding” immer nur am Kopf kratzen und nicht wissen, womit sie anfangen sollen!

 

Eure

Nathalie

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