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Hürden meistern

 

Viele fragen mich: “Wie gehst du mit Rückschlägen um? Lassen dich Absagen nicht zweifeln?”

 

Meine Antwort ist: “Nein.”

 

Ich habe Freunde – ebenfalls Autoren –, die sich von Absagen total verunsichern lassen. Sie denken, ihre Werke seien nicht gut, andere seien durchgehend besser – aber ist das so? Ich denke nicht. Schaut euch doch mal die ganzen Autoren an, die veröffentlicht wurden. Listen dazu findet man zuhauf im Internet, ich schreibe mal ein paar heraus, die immer wieder auftauchen.

 

- C.S.Lewis (“Narnia”) erhielt angeblich 800 Absagen.

- J.K.Rowling (“Harry Potter”) ein Dutzend Absagen von namhaften Verlagen.

- Stephen King erhielt so viele, dass er aufgeben wollte.

- Erich Maria Remarque (“Im Westen nichts neues”) erhielt 120 Absagen – und das Buch wurde das erfolgreichste der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Was möchte ich euch mit diesen Auszügen aus den Weiten des Internets mitteilen?

 

Es ist okay, zu verlieren. Es ist okay, Absagen zu kassieren. Es ist okay, darüber enttäuscht zu sein – aber zweifelt nicht an euch.

 

Wenn nicht einmal ihr selbst hinter euren Werken steht, wenn ihr euch selbst als “zu schlecht” erachtet – warum sollten euch andere dann veröffentlichen?

 

Steht zu 100% hinter dem, was ihr geschrieben habt – es ist vielleicht nicht perfekt, aber es ist eure Idee, eure Arbeit und damit etwas Einzigartiges und Besonderes. Nehmt Kritik an, aber nehmt sie nicht persönlich. Nicht ihr seid schlecht, nicht euer Werk ist schlecht – sondern es hat Potenzial, zu wachsen.

 

Ihr seid traurig, weil Agenturen euch abgelehnt haben? Weil Verlage euer Werk nicht wollen? – Denkt daran, wie viele große Autoren vorher gescheitert sind. Hätten sie aufgegeben, wären ihre wundervollen Werke und Geschichte niemals bekannt geworden.

 

Dann gäbe es den “King” nicht, es gäbe kein “Harry Potter” und kein “Narnia”.

 

 

Verlage und Agenturen

 

Agenturen und Verlage erhalten Unmengen an Manuskripten. Viele davon absolute Rohfassungen, keinerlei Überarbeitungen – auch diese müssen sie sich anschauen. Es kostet Zeit und eventuell rutscht euer Manuskript deswegen durch.

 

Außerdem dürft ihr nicht vergessen: Dort sitzen auch nur Menschen, die ihre eigenen Vorlieben haben. Vielleicht landet euer Manuskript genau bei dem Lektor, der eben keine Vampirgeschichten mag – und ihr habt genau das geschrieben. Vielleicht hatte euer Lektor einen schlechten Tag oder keine Lust auf Liebesromane, weil es in seiner eigenen Beziehung kriselt.

 

Berücksichtigt das.

 

Bedenkt auch, dass Agenturen und Verlage am liebsten das abdrucken, was das geringste Risiko mitbringt. Warum? Nun, sie zahlen für alles. Sie zahlen das Lektorat (und Lektoren sind verdammt teuer), sie zahlen das Korrektorat, den Druck, das Marketing, die Covergestaltung – alles.

Das alles muss sich rentieren. Es muss mindestens ein genauso großer Umsatz mit den Büchern gemacht werden, wie Kosten mit dem Druck entstanden sind.

Und was machen solche Institutionen deswegen? Eine Risikoanalyse.

 

Ihr fragt euch, warum in Buchhandlungen oft nur dieselben Romane stehen? Warum alles “schon einmal dagewesen” ist? Warum die 500. Geschichte von einem Zauberlehrling auf einer Schule verlegt wird?

 

Das ist der Grund. So etwas lief und läuft gut. Es ist bekannt, dass die Menschen so etwas gerne lesen. Es ist ein gut kalkulierbares Risiko, ein solches Werk zu drucken. Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas halbwegs ankommt und zumindest die Kosten wieder reinspült, ist groß.

 

Das Risiko einer "neuen" Idee

 

Doch wie sieht das mit neueren Ideen aus? Mit Tabuthemen, mit Geschichten, die nicht die Klischees bedienen?

 

Die Wahrscheinlichkeit, damit zu floppen, ist deutlich größer.

 

Meine ich damit, ihr sollt ebenfalls Mainstream schreiben? Nein.

Aber ich will damit sagen, dass ihr mit Absagen rechnen müsst, wenn ihr keinen Mainstream schreibt. Ihr braucht Geduld, Arbeit, Schweiß, Tränen und auch ein bisschen Glück, dass euer Werk bei einem Lektor landet, der davon begeistert ist.

 

Dann wird es funktionieren.

 

Vermutlich werdet ihr keinen Bestseller schreiben, aber wenn eure Idee jemanden begeistert und diese Person Potenzial darin sieht, könnt ihr veröffentlicht werden. Auch, wenn euer Buch nicht dem Mainstream entspricht.

Nur, um es klarzustellen: Damit möchte ich nicht aussagen, dass alle neu erschienenen Bücher “schon dagewesenes in Grün” sind, sondern, dass Verlage und Agenturen einem speziellen Muster folgen.

 

Nehmen wir das Genre Fantasy, weil ich mich dahingehend am besten auskenne: Von einem Verlag wurde mir gesagt, dass in jedem veröffentlichten Fantasyroman mindestens eine Romanze mit dem Protagonisten vorkommen muss.

 

Das ist, was ich mit “Mainstream” meine. Es gibt stillschweigend beschlossene Vorgaben, die Autoren einhalten müssen, wenn sie veröffentlichen.

 

Was heißt müssen? Das, was ich vorhin sagte: Es wird schwieriger, publiziert zu werden, wenn ihr sie nicht einhaltet.

 

Ist es unmöglich? Ich denke nicht.

 

Dennoch kann man sich, wenn man eine kleine Romanze einbringt, einiges leichter machen.

 

Buchhändler und Verlage

 

Dazu mal etwas aus meinem Privatleben:

 

Agenturen und Verlage meinen oft, dass Neues nicht gut angenommen wird. Dass die Menschen die 500. Vampirromanze haben wollen. Den 500. Bad Boy, der seine wohlerzogene (wahlweise schüchterne und verarmte) Frau erobert.

 

Ich war in vier Buchhandlungen, um mich dahingehend zu erkundigen. Sicher, es ist nur eine Momentaufnahme, aber immerhin etwas.

 

In meinem kleinen Städtchen, wo ich lebe, meinten sie “Unsere Kunden wünschen sich etwas Neues. Einen neuartigen Krimi, eine neue Fantasygeschichte – etwas Bekanntes mit neuen, unbekannten und spannenden Elementen.”.

Ich dachte: “Okay, es ist eine kleine Stadt, vielleicht ist es woanders genau das Gegenteil.”

Ich war 4 Wochen im Urlaub – in München und Koblenz.

 

München, große Buchhandlung: “Die Kunden hätten gerne mal etwas Anderes, aber die Verlage haben Angst vor dem Risiko.”

Koblenz, ebenfalls eine große Buchhandlung: “Ich denke, es wäre super, wenn mal wieder frischer Wind in die Regale kommen würde. Natürlich gibt es einen gewissen Kundenstamm, der sich von immer denselben Geschichten begeistern lässt, aber viele wünschen sich etwas Neues. Viele kaufen inzwischen immer seltener Bücher, weil alles schon einmal dagewesen ist. Solche Menschen kann man nur erreichen, wenn man etwas Unbekanntes herausbringt – aber da sind die Verlage gefragt.”

Vor knapp einem Jahr in Düsseldorf dieselbe Aussage.

 

Für mich waren die Antworten dieser Buchhändler unheimlich motivierend. Sie sagten mir:

 

“Es ist okay, etwas anderes zu schreiben. Die Menschen wollen etwas Neues. Du benötigst nur Geduld.”

 

 

Meine Message and euch

 

 

Gebt nicht auf.

 

Wenn ihr von eurer Geschichte überzeugt seid, wenn ihr sie immer wieder überarbeitet und die absoluten Basics beachtet habt (“Show, don’t tell”, “Kill your Darlings” usw.) … dann könnt ihr es schaffen.

 

Aber: Seid sorgfältig. Überarbeitet eure Werke, sucht euch Testleser, lest Schreibratgeber, andere Bücher, Tipps im Internet – und dann traut euch.

 

Mehr als ein “Nein” kann nicht kommen.

Und wenn das passiert?

Dann versucht es weiter.

 

Ihr habt nichts zu verlieren, ihr könnt im Endeffekt nur gewinnen.

 

 

Mehr habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht zu sagen. Ich hoffe, ich kann mit diesen Zeilen ein paar tollen Menschen Mut machen.

 

Eure

Nathalie

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