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Über das Schreiben

Jeder, der sich das erste Mal vor seinen Block oder Bildschirm setzt und eine Geschichte verfassen möchte, stellt wahrscheinlich nach kurzer Zeit fest, dass es weit mehr dazu braucht, als einfach nur Wörter aneinanderzureihen.

 

Vielleicht schreibt man drauf los, vielleicht rauft man sich die Haare und versucht, seine  Idee zu planen – und steht dann sofort vor dem nächsten Problem: Wie schreibe ich, damit ich andere Leute mitreißen kann? Jeder, der seine Geschichten nicht nur zum eigenen Vergnügen verfasst, wird schnell an den Punkt gelangen, an dem er sich Gedanken darüber machen muss, wie dieses Handwerk Schreiben eigentlich funktioniert. Denn genau das ist es: Ein Handwerk.

Und wie jedes Handwerk lässt sich auch dieses erlernen.

 

Hier werden viele aufschreien: »Aber das stimmt ja gar nicht!  Ohne Talent wird das überhaupt nichts!«

»Jain«, werde ich antworten.

 

Ich bin der Meinung, ‘Talent’ ist hier das falsche Wort. Ich denke, der richtige Begriff  ist Begeisterung. Wenn man sich für etwas interessiert, beschäftigt man sich – normalerweise – zwangsläufig mehr mit diesem Thema.

Wenn wir klein sind, also so richtig klein, sind wir alle gleich. Wir alle malen komische, bunte Kringel auf Papier, wir alle hören uns – oft zumindest – irgendwelche Geschichten von den Verwandten, Erziehern oder anderen Erwachsenen an. Lernen wir schreiben, sieht das bei jedem Kind ähnlich aus. Wir ‘zeichnen’ Buchstaben. Jeder von uns hat am Anfang seine Probleme damit gehabt, zu schreiben. Keiner von uns war sofort Dichter, Autor oder Zeichner.

Der Unterschied liegt, meiner Meinung nach, in der Begeisterung. Möchtest du irgendwann einmal schreiben oder weißt schon früh, dass du dich für Geschichten interessierst, wirst du dich auch mehr damit beschäftigen. Und je mehr du liest, hörst oder bei anderen beobachtest, desto mehr lernst du.

 

Am Beispiel Zeichnen ist das ganz einfach zu erklären: Wenn du den ganzen Tag auf deinem Hintern sitzt und malst, wirst du schneller besser, wie ein Kind, was den gesamten Tag mit Bauklötzchen spielt. Hörst du den ganzen Tag Märchen, denkst dir Geschichten aus, spielst Rollenspiele und lernst so, deiner Fantasie Form zu geben, wirst du es hinterher leichter haben, deine Gedanken in Worte zu fassen. Später dann, wenn wir älter sind, behaupten die Leute, du hättest Talent.

 

Aber ist das so?

 

Hat nicht allein der konstante Umgang mit Stift und Papier, Zeichenbüchern und später Tutorials deine Technik so verbessert, dass du ‘gut’ wurdest? Hat nicht allein dein permanentes Beschäftigen mit Geschichten, Büchern und dem Ausleben deiner eigenen Kreativität oder dem Zurückziehen in Traumwelten deinen Verstand so geschärft, dass dir Texte später leicht von der Hand gingen? Hat nicht diese ganze Übung dafür gesorgt, dass deine linke und rechte Gehirnhälfte so gut miteinander kommunizieren, dass sich systematisches Denken und Intuition miteinander verbinden?

Ist es wirklich Talent?

 

Ich sage: Nein.

Ich sage: Es gibt kein Talent.

Es gibt Interesse.

Es gibt Begeisterung.

Es gibt Veranlagung.

Es gibt Intelligenz.

Und: Es gibt Fleiß.

Aber es gibt kein Talent.

 

Im Kindesalter lernen wir verdammt schnell und wenn wir uns für etwas interessieren, ist das Lerntempo ebenfalls deutlich beschleunigt. Wenn man zusätzlich zu dem Interesse bereit ist, den Fleiß und die Disziplin an den Tag zu legen, seine Fähigkeiten verbessern zu wollen, macht man sehr schnell große Fortschritte. Größere wie jemand, der mitten im Leben mit dem Schreiben beginnt. Und ja, dann ist man irgendwann - wahrscheinlich - deutlich besser, als ein Mensch, der seit vielleicht einem Jahr schreibt, sich aber mit dem Handwerk nie auseinandergesetzt hat.

 

Aber Talent? Eher nicht.

 

Kann jemand Älteres, der auf einmal das Interesse am Schreiben entwickelt, das Handwerk erlernen?

Ich denke: Auf jeden Fall.

Anders als Kinder, deren Gehirn vor Fantasie nahezu übersprudelt, wird es aber ein ordentlicher Aufwand sein, wenn man sich nicht früher schon dafür begeistern konnte. Aber es ist erlernbar. Mit Arbeit, Fleiß und Disziplin.

 

Und jetzt, wo ich meine Sicht auf die Dinge klargestellt habe:

Wie schreibt man denn nu’?

 

Da diese Frage nicht innerhalb von zwei Sätzen zu beantworten ist, werde ich in regelmäßigen Abständen immer wieder neue

Beiträge zu diesem Thema posten.

Ihr dürft also gespannt sein!

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